Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente hat seinen Rücktritt angekündigt, nachdem das Land innerhalb von nur neun Monaten zwei schwere Zugunglücke erschüttert haben. In einer Anhörung im Kongress erklärte Puente, dass ein Verkehrsminister nach solchen Ereignissen nicht im Amt bleiben könne. Er informierte Ministerpräsident Pedro Sánchez nur wenige Minuten vor der Bekanntgabe über seine Entscheidung und wird auch bei der kommenden Wahl nicht mehr antreten. Puente, der Ende 2023 vereidigt worden war, erhielt für seinen Schritt Lob von seiner sozialistischen Partei sowie von Abgeordneten anderer Parteien.
Auslöser für den Rücktritt war ein Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe der Gemeinde Urda südlich von Madrid am Mittwoch vergangener Woche. Ein Zug der staatlichen Renfe fuhr dabei von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Betreibers Iryo auf, was zu 69 Todesopfern führte. Zuvor waren bereits im Januar in Adamuz in Andalusien 46 Menschen bei einem ähnlichen Vorfall ums Leben gekommen. Insgesamt wurden 69 Opfer identifiziert, darunter 40 Männer und 29 Frauen; zudem werden 37 von rund 200 Verletzten weiterhin im Krankenhaus behandelt.
Die Ermittlungen zum Unglück in Urda konzentrieren sich auf den Ausfall des Zugsicherungssystems LZB und Fehler im Kontrollzentrum des Netzbetreibers Adif. Berichten von El País zufolge bestehen Zweifel an der Entscheidung der Leitstelle, wobei ein Mitarbeiter nach einem Systemausfall vermutlich falsche Anweisungen gegeben hat. Im Gegensatz dazu gilt bei dem Unglück in Adamuz unter anderem ein Gleisbruch als Ursache. Puente verwies in diesem Zusammenhang auf ein Modernisierungsprogramm für die Bahn in Höhe von 780 Millionen Euro, das seine Regierung aufgelegt hatte.
Als Reaktion hat die spanische Regierung neue Sicherheitsmaßnahmen beschlossen und ein Hilfspaket von 30 Millionen Euro für Opfer und Angehörige billigt. Die Zahl der Züge zwischen Madrid und Sevilla wird reduziert, bis das europäische Zugsicherungssystem ERTMS in Betrieb geht. Künftig muss zudem ein zweiter Mitarbeiter im Kontrollzentrum Anweisungen bestätigen, sofern das LZB-System ausfällt. Darüber hinaus sollen die Personalstärke in den Zentren erhöht, Arbeitsbedingungen verbessert und Preisobergrenzen für alternative Verkehrsmittel während Streckensperrungen eingeführt werden.



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